5. Technologien

Die Verknüpfung der physikalischen mit der Cyber-Welt (Internet of Things - IoT) erfordert neue Technologien und Konzepte. In diesem Kapitel stellen wir Ihnen einige ausgewählte Technologien vor, die für die Digitalisierung und Industrie 4.0 eine besondere Bedeutung haben.

5.1 Augmented Reality

Bei Augmented Reality werden dem Nutzer im Sinne einer „erweiterten Realität“ zusätzliche Informationen in sein Blickfeld eingeblendet, die die „normale Realität“ überlagern. Durch die augmentierte Realität können u.a. Wartung und Bedienung von Maschinen benutzerfreundlicher werden. Große Konzerne forschen derzeit an Datenbrillen, die dem Benutzer individuell anpassbare Informationen zu seiner Tätigkeit einblenden können. So besteht die Möglichkeit, beispielsweise einem Wartungsmitarbeiter zukünftig die Baupläne des zu reparierenden Produkts direkt in das Blickfeld zu schicken. Möglich sind auch Video-Tutorials für Mitarbeiter, die sich – bevor der Kundendienst kontaktiert wird – selbst an der Reparatur versuchen.

„In fünf Jahren werden die Fertigungsmitarbeiter mit einer Datenbrille durch die Fabrik laufen. Mit den mobilen Endgeräten ist es zum Teil bereits jetzt so, gerade in der Fertigung.“

 Johann Hofmann, Leiter Value Facturing der Maschinenfabrik Reinhausen

4 Fragen an…

Interview mit Dirk Schart, Head of PR & Marketing der RE’FLEKT GmbH

Welche Anwendungsfelder sehen Sie für Augmented Reality Applikationen?

Augmented Reality (AR) kommt in der Industrie bereits in der (Fern)Wartung, dem Telesupport, den Trainings an ‎der Maschine sowie den technischen Dokumentationen zum Einsatz. Anleitungen und ‎Handbücher lassen sich hier in Echtzeit an die Maschine projizieren, Anweisungen können aus der Ferne erteilt und eingeblendet werden. In der Produktion können virtuelle ‎Prototypen veranschaulicht und angepasst werden, bevor man sie erst physisch erstellt. ‎Die Maschinen- und Anlagenplanung lässt sich in Verbindung mit dem realen Umfeld in ‎Echtzeit simulieren und optimieren – und kann dabei sämtliche Produktionsprozesse und ‎Workflow berücksichtigen. Damit reduziert sich das Risiko der Fehlplanung.‎
Im Marketing ermöglicht AR die Veranschaulichung von Maschinen, ohne dass diese zum ‎Kunden gebracht werden müssen. Und im Automobilbereich findet die Technologie bereits ‎Verwendung, um virtuelle Produkt- und Markenerlebnisse zu schaffen.“

Für wen eignen sich Augmented-Reality-Lösungen?

„In der Industrie eignet sich die Technologie insbesondere für komplexe Szenarien, die ‎spezifisches Wissen benötigen oder eine hohe Fehlerhäufigkeit aufweisen. Zum Beispiel finden ‎AR Lösungen in der Flugzeugindustrie im Trainingsbereich Verwendung. Hier, wo nicht ‎alles angefasst und geöffnet werden kann, das zum Verständnis der Funktion notwendig ‎wäre, ist die Anzeige der virtuellen Informationen besonders hilfreich.‎
Während größere Unternehmen insbesondere aus Branchen, die stark innovationsge‎trieben sind, bereits reges Interesse an AR haben, sind KMUs momentan noch zaghaft. ‎Obwohl gerade diese ein großes Einsparpotential durch AR realisieren könnten.‎“

Welche Hemmnisse sehen Sie für die flächendeckende Verbreitung in KMUs?‎

„Bislang waren die hohen Entwicklungskosten ein großes Hindernis für KMUs. Verstärkt ‎wird dies dadurch, dass der klare Nutzen für KMUs in der Anfangsphase nicht immer ‎deutlich war. Mittlerweile ist es durch Plattformen wie unsere eigene einfacher gewor‎den AR zu produzieren und Anwendungen in kürzerer Zeit und mit weniger Ressourcen ‎zu erstellen.‎
Zum anderen muss sich die Akzeptanz der Nutzer noch ausweiten. Während nutzer‎freundliche und leistungsstarke Tablets sich schon gut durchgesetzt haben, muss sich ‎dies z.B. für Datenbrillen erst noch ergeben. Neben der gesellschaftlichen Akzeptanz ‎geht es dabei auch um die physische Anpassung und kognitive Verarbeitungsfähigkeit.“

Welche Trends sehen Sie zukünftig für die Anwendung von Augmented Reality?‎

„Momentan wird viel mit ‘Hands-free‘-Anwendungen experimentiert. Datenbrillen werden ‎mittel- und langfristig ganz neue Möglichkeiten bieten. Kurzfristig ist es die standardisierte Content-Produktion sowie Lösungen für kollaboratives Arbeiten, wie beispielsweise Fernsupport mit Augmented Reality.‎“

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