2. Das digitale Unternehmen

Die Digitalisierung durchdringt alle Funktionen eines Unternehmens und macht vor keiner Branche halt. Wir stellen Ihnen in diesem Kapitel einige ausgewählte Unternehmensbereiche vor, die sich durch Industrie 4.0 besonders stark verändern können – mit Beispielen aus der Praxis.

2.1 Intralogistik und Lager

Transportsysteme im Lager – zunehmende Autonomie

Neben herkömmlichen Flurförderzeugen (Gabelstapler, Routenzüge), die vollständig vom Menschen bedient und gesteuert werden, setzen sich halbautonome Fahrzeuge und fahrerlose Transportsysteme immer mehr durch. Dazu gehört auch eine intelligente Lagernavigation, mit der sich die Fahrzeuge orientieren und die mit dem Warenmanagement und anderen notwendigen IT-Programmen kommuniziert.

 Aus der Praxis
Beispiel Schmalgang-Stapler: Die Stapler erhalten vom Warehouse Management System den Auftrag, Ware einzulagern oder abzuholen. Der Fahrer wird zum richtigen Gang geführt und muss dort nur noch ‚Gas‘ geben. Fehlfahrten werden verhindert, ebenfalls langes Suchen sowie fehlerhafte Ein- und Auslagerung. In diesen Prozessen liegt in der Praxis erhebliches Einsparungspotential. Wenn beispielsweise fünf Schmalgangstapler im Einsatz sind, spart der Anwender sich einen Stapler plus die entsprechenden Fahrer. Denn mit der Lagernavigation können Kostenreduktionen von über 20 Prozent verbucht werden.

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Schmalgangstapler im Hochregal. Bild: Jungheinrich

Wichtig ist aber auch ein breit einsetzbares Interface, das einzelne IT-Systeme miteinander koppelt. Gerade in der Logistik sind heute die unterschiedlichsten Software-Varianten im Einsatz. Die Folge ist, dass zentrale IT-Systeme und Lager-Equipment nicht „auf Augenhöhe“ kommunizieren. Genau hier liegen die Herausforderungen moderner Intralogistik-Lösungen. Damit diese beiden Logistikkomponenten überhaupt und dann auch fehlerfrei miteinander „sprechen“ können, haben Anbieter bereits eine entsprechende Schnittstellensoftware auf den Markt gebracht.

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Symbolbild: Transponder (symbolisch dargestellt) weisen dem Schmalgangstapler den ‎Weg. Bild: Jungheinrich

Halbautonome Fahrzeuge teilen sich die Aufgaben mit dem Fahrer, der das Gefährt kontrolliert. Während der Stapler etwa die Ein- und Auslagerfunktion übernimmt, navigiert der Lenker in den Gängen oder steuert die Handhabung der Lagereinheiten. Vorteil der Arbeitsteilung: keine Leer- oder Falschfahrten, weil die Maschine automatisch das richtige Regal und Fach anfährt, minimale Fahrtzeit mit möglichst geringem Energieverbrauch.
Fahrerlose Transportsysteme (FTS) bewegen sich autonom und ohne Fahrer. Das Transportvehikel orientiert sich dabei im Raum mithilfe von Induktionsschleifen, Präzisionslasern, Reflektoren und ausgeklügelten Assistenzsystemen. Derzeit eignen sich diese Fahrzeuge primär für das Befahren einer im Voraus festgelegten Strecke, auf der sie beispielsweise Paletten auf- und abladen. Da Kollisionen trotz Assistenzsystemen nicht völlig auszuschließen sind, besitzen die Fahrzeuge zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen. Die festgelegten Wegstrecken können unterschiedlich gekennzeichnet sein. Fahrzeuge, die ihre Position anhand von Reflektoren selbst bestimmen oder sich RFID-Tags orientieren, die in regelmäßigen Abständen in den Boden eingelassen sind, gelten als besonders innovativ.

Wenn im Versandhandel nicht ganze Paletten oder größere Gebinde, sondern einzelne Objekte, z.B. Schuhschachteln oder Bücher, aus einer Kiste für den Versand entnommen werden müssen, können Regal-Roboter die Arbeit erleichtern (Pick-Systeme).

 Aus der Praxis
Ein Unternehmen aus München hat beispielsweise speziell für die großen Lager von Internet- Versandhäusern einen Roboter entwickelt, der in Kooperation mit dem Menschen in einem Regallager einzelne Objekte stückgenau „pickt“. 2D/3D Kameras vermessen und erkennen das gewünschte Objekt und greifen es gezielt. Ein maßgeschneiderter Algorithmus optimiert den notwendigen Platz für die Ablage.

Magazino GmbH - Toru

Magazino GmbH - Toru Der mobile und vernetzte Regalroboter kann mit seiner 3D-Kamera autonom Bücher im Regal identifizieren, zielgenau greifen und am gewünschten Ort wieder ablegen. Foto: Magazino GmbH

Automatische Kommissionierstationen

Die Kommissionierung von Waren gehört in vielen Lagern, Warenhäusern und Distributionszentren arbeitsintensivsten Prozessen und verursacht somit hohe Kosten. Mittlerweile erleichtern unterschiedlichste Kommissioniersysteme und -technologien die Arbeit. Sie reduzieren nicht kommissionierbezogene Tätigkeiten und erhöhen dadurch die Arbeitseffizienz. Automatische Kommissionierstationen können Platz im Lager sparen, der dann für andere Waren zur Verfügung steht. Sie lagern die Produkte automatisch ein und liefern es schnell an die Ausgabe.

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