Experten zu Industrie 4.0

Urs Breitmeier, RUAG Holding AG

Urs Breitmeier zu Cyber Security

Die RUAG Holding AG ist ein internationaler Technologie- und Rüstungskonzern im Besitz der Schweizer Eidgenossenschaft. 2015/2016 fand ein Cyber Angriff auf das Unternehmen statt. Was ist damals passiert und wie haben Sie den Angriff überhaupt festgestellt?

Im Januar 2016 wurde RUAG vom Nachrichtendienst des Bundes (Schweiz) informiert, dass der Konzern Opfer eines hochprofessionellen Hackerangriffs geworden war. Die Angreifer blieben über Monate hinweg unentdeckt, da sie sich – wie in solchen sehr fokussierten Attacken üblich – unauffällig im Netz bewegten.

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Dr. Oliver Hornung, SKW Schwarz Rechtsanwälte

Dr. Oliver Hornung zu Datenschutz und Mobilem Arbeiten

Können Sie etwas zum Datenschutz im Zusammenhang mit Mobilem Arbeiten sagen?

Das größte Sicherheits- und Haftungsrisiko bei der Verwendung von Smartphones oder Tablets sind der Datenverlust und Datendiebstahl, wobei hier Kundendaten, Mitarbeiterdaten sowie Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse von besonderer Relevanz sind. Unternehmen müssen daher im Rahmen eines Mobile Device Managements sicherstellen, dass Mitarbeiter strikt auf die Einhaltung des Datenschutzes, des Datengeheimnisses und die Wahrung von Geschäftsgeheimnissen verpflichtet werden. Regelungen zur Datensicherheit müssen Bestandteil eines Arbeitsvertrages sein. Bei Unternehmen mit einem Betriebsrat können solche Regelungen in einer Betriebsvereinbarung getroffen werden. Ganz elementar wichtig ist eine Trennung von beruflichen und privaten Daten, wenn der Mitarbeiter betriebliche mobile Endgeräte auch für eingeschränkte private Zwecke nutzen darf. Hier sind Containerlösungen zwingend erforderlich.

 

 

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Michael Neugart, Heidelberger Druckmaschinen Vertrieb Deutschland GmbH

Michael Neugart zu Smart Collaboration

Die Heidelberger Druckmaschinen AG ist in einem traditionellen Markt aktiv, der durch viele klein- und mittelständische Unternehmen geprägt ist. Welche Rolle spielt für Sie Industrie 4.0?

Das Thema Industrie 4.0 bzw. die Digitalisierung der Printmedien-Industrie hat nichts mit der Unternehmensgröße zu tun, sondern betrifft alle Betriebe gleichermaßen. Wenn eine Druckerei wettbewerbsfähig bleiben will, muss sich mit dem Thema befassen. Im Kern geht es dann darum, ein digitales Geschäftsmodell zu entwickeln, das Anforderungen der Endkunden im Hinblick auf Qualität, Flexibilität, Produktivität, Verfügbarkeit und Liefertreue in den Mittelpunkt stellt. Das gelingt nur mit digitalisierten weitgehend autonom ablaufenden Prozessen, die es dem Druckereibetreiber ermöglich, sich um das allerwichtigste zu kümmern, seine Kunden.

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Dr. Maximilian Kissel, Soley GmbH

Dr. Maximilian Kissel zu Big Data und Smart Data

Big Data und Smart Data sind zwei Begriffe, die in engem Zusammenhang mit Industrie 4.0 stehen. Was versteht man unter diesen Begriffen und wodurch grenzen sie sich voneinander ab?

Der Begriff „Big Data“ umfasst Konzepte, Methoden und Werkzeuge für die Aufzeichnung, Verwaltung und Analyse sehr großer Datenmengen. Denken Sie an Google oder Facebook, an Hochleistungs-Server und Festplattenfarmen oder an große Mengen von Echtzeit-Sensordaten. Der Begriff „Smart Data“ bezeichnet dagegen das Kombinieren von Daten und das daraus gewonnene Wissen – unabhängig von der Datenmenge. Smart Data kann Big-Data-Instrumente nutzen um einfache Zusammenhänge statistisch zu ermitteln (Machine Learning, Data-Mining…), für die meisten mittelständischen Unternehmen geht es allerdings um viel kleinere Datenmengen von lediglich einigen Gigabyte. Die eigentliche Herausforderung ist das sinnvolle Verknüpfen vorhandener Datensilos und die systematische Auswertung besonders komplexer Zusammenhänge. Wie sehen beispielsweise die Gleichteilbeziehungen zwischen unterschiedlichen Produktsegmenten aus? Für die Analyse dieser komplexen Daten gibt es sehr viel agilere, effizientere und effektivere Werkzeugkisten als „Big-Data“. Ein besonders interessanter Ansatz ist die „Digitalisierung von Expertenwissen“.

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Prof. Dr. René Niethammer, Hochschule Aalen

Prof. Dr. René Niethammer zu Geschäftsmodellen

  Wenn Unternehmen sich mit Industrie 4.0 beschäftigen, wie wichtig ist es dann, sich mit Geschäftsmodellen auseinanderzusetzen?

Die digitale Transformation zu Industrie 4.0 erzeugt einerseits eine große Volatilität in der Übergangsphase und ermöglicht dadurch auf der anderen Seite auch vielfältige Chancen durch Geschäftsmodellinnovationen. Das bedeutet dass die traditionellen Innovationen, die sich meist vorrangig auf physische Produkte und Technologien beziehen, durch daten- und internetbasierte Geschäftsmodelle ergänzt werden. Dies ist bereits gut an dem großen Anteil an StartUps im Umfeld von Industrie 4.0 zu erkennen, die größtenteils ihre Innovationskraft auf neue Geschäftsmodelle fokussieren. Unternehmen, die sich bislang noch kaum mit ihrem Geschäftsmodell auseinander gesetzt haben, tun sich in diesem Umfeld erfahrungsgemäß sehr schwer und bringen sich bei der digitalen Transformation in Gefahr überholt zu werden.

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Renate Tratz, KESSEL AG

Renate Tratz zum Thema Lean Manufacturing

Die Kessel AG hat vor einigen Jahren begonnen, das Produktionssystem nach LEAN-Prinzipien umzustellen. Was versteht man bei Ihnen im Haus darunter?

„Das KESSEL Produktionssystem orientiert sich an den klassischen Prinzipien des Lean Management. Jedoch ist „Lean“ nicht nur die Optimierung der Produktion, sondern ein Führungsprinzip mit dem ganzheitlichen Ansatz „Werte ohne Verschwendung“ zu schaffen. Hierfür ist es notwendig, alle Aktivitäten, die für die Wertschöpfung notwendig sind, optimal aufeinander abzustimmen und überflüssige Tätigkeiten zu vermeiden. Die Einbindung aller Mitarbeiter, die ihre Leistung eigenständig organisieren, ist ein wichtiger Bestandteil in diesem Prozess. Durch Lean wird somit eine hohe Kundenorientierung erreicht, die einer der wichtigsten Leitsätze des KESSEL Produktionssystems beschreibt: „Produziere nur, was der Kunde fordert“ und das in möglichst kurzer Zeit.“

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Thorsten Kelp, Vertriebsleiter und Mitglied der Geschäftsführung der Hofmann Druck ‎‎+ Medien‎ GmbH

Thorsten Kelp zu der Umstellung ‎auf die vollständige Prozessvernetzung‎

Hofmann Druck + Medien GmbH hat die Produktionsprozesse und Qualitätssicherung vollständig vernetzt ‎und fertigt im Kundentakt. Was war das Ziel dieser Umstellung und wie sind Sie dabei vorgegangen?

„Die Druckindustrie ist seit Jahren einem großen Verdrängungswettbewerb ausgesetzt. Nur wer sich ‎den verändernden Rahmenbedingungen anpasst, kann hier überleben. Unser Ziel war es daher, durch ‎Automatisierung und Vernetzung die eigene Produktion völlig flexibel an den Bedarf und Takt unserer ‎industriellen Kunden anzupassen und die Qualitätssicherung zu perfektionieren. Gleichzeitig sollte der ‎Verwaltungsaufwand reduziert und die Zeitfenster zwischen Bestelleingang, Produktion und Lieferung ‎auf wenige Stunden zurückgefahren werden.“

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Christian Dummler, Geschäftsführer und CFO der Zeppelin GmbH‎

Christian Dummler zu der digitalen Transformation des Vermietgeschäfts

Welche Idee steckt hinter der Plattform klickrent.com?

„Das Geschäftsmodell von Zeppelin Rental sieht vor, alle Assets wie Maschinen und Geräte selbst zu besitzen und diese nah beim Kunden zu platzieren, um eine schnelle Nachfrage zu befriedigen. Dieser Ansatz ist teuer und skaliert sehr schwierig. Außerdem sind Kunden an Öffnungszeiten gebunden. Im Jahr 2013 haben wir uns die Frage gestellt, was es für Zeppelin bedeuten würde, wenn es eine Plattform gäbe, auf der Baumaschinenbesitzer ihre Geräte vermieten könnten, ähnlich eines Shared-Economy Ansatzes?“

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Dirk Schart, Head of PR & Marketing der RE'FLEKT GmbH

Dirk Schart zu den Möglichkeiten und Trends im Augmented Reality Bereich

Welche Anwendungsfelder sehen Sie für Augmented Reality Applikationen?

„Augmented Reality (AR) kommt in der Industrie bereits in der (Fern)wartung, dem Telesupport, den Trainings an ‎der Maschine sowie den technischen Dokumentationen zum Einsatz. Anleitungen und ‎Handbücher lassen sich hier in Echtzeit an die Maschine projizieren, Anweisungen können aus der Ferne erteilt und eingeblendet werden. In der Produktion können virtuelle ‎Prototypen veranschaulicht und angepasst werden, bevor man sie erst physisch erstellt. ‎Die Maschinen- und Anlagenplanung lässt sich in Verbindung mit dem realen Umfeld in ‎Echtzeit simulieren und optimieren – und kann dabei sämtliche Produktionsprozesse und ‎Workflow berücksichtigen.“

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Prof. Dr.-Ing. Joachim Berlak, Geschäftsführer der software4production GmbH

Prof. Dr.-Ing. Joachim Berlak über Industrie 4.0

Was sind die Herausforderungen, vor denen die Unternehmen in Deutschland stehen?

„Industrieunternehmen stehen nicht nur in Deutschland vor großen Herausforderungen. Stetig steigenden Kundenanforderungen bezüglich Preis, Qualität und Lieferzeiten stehen historisch gewachsene Strukturen, Prozesse und Werkzeuge dieser Manufakturen entgegen. Während in anderen Industrien mit vergleichbaren Herausforderungen die Informatisierung der Produktion durch Industrie 4.0 als Reaktion und Lösungsstrategie auf die neuen Anforderungen bereits seit längerer Zeit eingesetzt hat, stehen andere Branchen erst am Anfang.“

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Tobias King, Director Marketing & Applications der Voxeljet AG

Tobias King zu den Möglichkeiten des 3D-Drucks

Was hat den Schub der letzten Zeit beim 3D-Druck ausgelöst?

„Prinzipiell muss man sagen, dass additive Fertigungsverfahren schon seit Jahrzehnten erforscht und weiterentwickelt werden. Die Eintrittsbarriere in das Thema 3D-Druck wurde in den letzten Jahren durch auslaufende Patente und damit verbunden günstige „Do-It-Yourself“-Anlagen deutlich herabgesenkt. Zudem werden seitens der Politik neue Programme und Fördermittel ins Leben gerufen, was die Technologie und deren Popularität fördert und immer mehr Medieninteresse weckte.“

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