Interview

Interview mit Wolfgang Thomar, Bereichsleiter Factories Germany and Factory Engineering der Alfred Kärcher GmbH & Co. KG

Was hat Industrie 4.0 mit der Losgröße 1 in der Produktion zu tun?

Industrie 4.0 ermöglicht es, dass kleine und kleinste Losgrößen bis zur Losgröße 1 wirtschaftlich gefertigt werden können. Konventionell wäre dies meist nur mit hohem Steuerungs-, Papier- und Logistik-Aufwand möglich.

Kärcher hat gemeinsam mit der Fraunhofer Gesellschaft eine moderne Montagelinie entwickelt, die eine Antwort auf die wachsenden Herausforderungen durch eine steigende Variantenvielfalt sein soll. Wie sind Sie vorgegangen und wie sieht das Ergebnis aus?

Die Motivation zu dem Projekt war die steigende Variantenvielfalt der Produkte. Mehr und mehr Kunden wollen „Ihre“ Maschine, die spezifisch mit genau den Baugruppen ausgerüstet ist, die für ihre Reinigungsaufgaben notwendig sind. Der Aufwand, diese kleinsten Losgrößen zu fertigen, stieg Jahr für Jahr. Die erste Idee war, jeder Maschine mittels QR-Code ihre „DNA“ mitzugeben. Wir haben dann die Industrie 4.0-Linie innerhalb eines Jahres aufgebaut. Pick-by-light Systeme melden dem Mitarbeiter, welche spezifischen Bauteile zu verbauen sind. Flachbildschirme geben zusätzliche Informationen an den Arbeitsplätzen wie Zeichnungen oder kritische Montagepunkte.

Gab es Erkenntnisse bei diesem Projekt, mit denen Sie zuvor so nicht gerechnet haben?

Nein, eigentlich nicht. Durch die gute Planung gab es kaum Überraschungen.

Welche technischen und organisatorischen Möglichkeiten sehen Sie in Bezug auf Variantenvielfalt und Losgröße 1 in der Produktion künftig auf uns zukommen?

Da Individualisierung ein Mega-Trend in der Gesellschaft ist, wird Losgröße 1 bei einigen Produkten zum Standard werden, analog der PKW-Produktion. Darauf muss sich die Produktion natürlich einstellen.

Andere Unternehmen hätten vermutlich einen Unternehmensberater ins Haus geholt, Sie haben mit dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) zusammengearbeitet. Weshalb haben Sie sich dafür entschieden?

Wir kennen die beiden Fraunhofer-Institute in Stuttgart seit vielen Jahren gut, auch bedingt durch die geografische Nähe. Daher war es für uns klar, dass das IAO mit seiner Kompetenz und dem industriefreundliche Vorgehen für uns der richtige Partner ist.

Was raten Sie anderen Unternehmern, die sich in einer ähnlichen Situation wie Kärcher vor dem Projektstart befinden?

Wichtig ist ein schrittweises Vorgehen: sich der Thematik über erste Projekte zu nähern, erste Schritte umzusetzen und stetig daraus zu lernen.

 

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