Interview

Interview mit Prof. Dr. René Niethammer, Professor für Innovationsmanagement, Hochschule Aalen

 In den letzten 20 Jahren hat sich der Begriff des Geschäftsmodells in der Wirtschaft manifestiert. Was versteht man genau darunter?

Das Geschäftsmodell beschreibt die Verbindungen und Wechselwirkungen zwischen Unternehmen und Kunden. Jedes Unternehmen nutzt ein spezifisches Geschäftsmodell, wobei sich nur ein Teil der Unternehmen über die Ausprägungen bewusst sind. Dieses Bewusstsein ist der erste Schritt, um die Nachhaltigkeit und die Innovationschancen des eigenen Geschäftsmodells zu kennen und idealerweise zu optimieren. Künftig werden viele Innovationschancen in neuen Geschäftsmodellen zu finden sein.

  Wenn Unternehmen sich mit Industrie 4.0 beschäftigen ist es also auch wichtig, sich mit Geschäftsmodellen auseinanderzusetzen?

Die digitale Transformation zu Industrie 4.0 erzeugt einerseits eine große Volatilität in der Übergangsphase und ermöglicht dadurch auf der anderen Seite auch vielfältige Chancen durch Geschäftsmodellinnovationen. Das bedeutet, dass die traditionellen Innovationen, die sich meist vorrangig auf physische Produkte und Technologien beziehen, durch daten- und internetbasierte Geschäftsmodelle ergänzt werden. Dies ist bereits gut an dem großen Anteil an StartUps im Umfeld von Industrie 4.0 zu erkennen, die größtenteils ihre Innovationskraft auf neue Geschäftsmodelle fokussieren. Unternehmen, die sich bislang noch kaum mit ihrem Geschäftsmodell auseinander gesetzt haben, tun sich in diesem Umfeld erfahrungsgemäß sehr schwer und bringen sich bei der digitalen Transformation in Gefahr überholt zu werden.

 Wie sollten sich Unternehmen Ihrer Erfahrung nach dem Thema nähern, wenn Sie sich unsicher fühlen?

Die Methoden zu Geschäftsmodellinnovationen und zur Geschäftsmodellentwicklung haben sich in den vergangenen Jahren sehr breit entwickelt und damit stehen viele praktische Anleitungen und Hilfsmittel für Unternehmen zur Verfügung. Die grundlegenden drei Dimensionen eines Geschäftsmodells sind das ‚Nutzenversprechen‘, die ‚Wertschöpfungsarchitektur‘ und das ‚Ertragsmodell‘. Diese Betrachtung ist in der Regel zu grob, so dass weiter detailliert wird. Osterwalder und Pigneur haben einen sehr guten Leitfaden mit ihrem Buch Business Model Generation und ihrem Business Model Canvas geschaffen. Viele hilfreiche Vorlagen und Vorgehensempfehlungen – teilweise sogar mit Videoanleitungen – sind auch im Internet unter www.strategyzer.com hinterlegt.

 Mein heutiges Geschäftsmodell kann morgen ja schon wieder überholt sein. Wie schaffe ich es als Unternehmer, dass ich auch in wandelnden Märkten nicht abgehängt werde?

Geschäftsmodelle verhalten sich hinsichtlich ihrer zukünftigen Entwicklung wie klassische Produkte, Dienstleistungen und Technologien: Die einzigen Konstanten sind die Veränderung und der Fortschritt. Unternehmen sollten sich regelmäßig neue Trends bei Kunden und Lieferanten, sowie das gesamte Umfeld und Ökosystem anschauen und analysieren. Zunehmend kommen Innovationen nicht mehr nur von den bekannten Wettbewerbern sondern zunehmend auch von StartUps, die ihren Eintritt mit neuen innovativen Geschäftsmodellen starten.

Diesen Artikel teilen...