Interview

Interview mit Prof. Dr.-Ing. Joachim Berlak, Geschäftsführer der software4production GmbH

Was sind die Herausforderungen, vor denen die Unternehmen in Deutschland stehen?

„Industrieunternehmen stehen nicht nur in Deutschland vor großen Herausforderungen. Stetig steigenden Kundenanforderungen bezüglich Preis, Qualität und Lieferzeiten stehen historisch gewachsene Strukturen, Prozesse und Werkzeuge dieser Manufakturen entgegen. Während in anderen Industrien mit vergleichbaren Herausforderungen die Informatisierung der Produktion durch Industrie 4.0 als Reaktion und Lösungsstrategie auf die neuen Anforderungen bereits seit längerer Zeit eingesetzt hat, stehen andere Branchen erst am Anfang.“

Es gibt jedoch Branchen wie beispielsweise die optische Industrie, die nach wie vor viel Handarbeit erfordern. Welche Chancen bietet die Digitalisierung Branchen mit hohem Manufakturcharakter?

„Beispielsweise hat der Marktführer für Maschinen zur Fertigung von Brillengläsern und optischen Linsen vor rund zwei Jahren den eigenen und den Kundenbedarf an I4.0-Lösungen analysiert und Ansatzpunkte identifiziert. Gemeinsam mit der software4production GmbH wurde in dieser Zeit eine Industrie 4.0-Lösung entwickelt, die aus innovativer Maschinen- und Softwaretechnik zur Produktivitätssteigerung in der Optikfertigung besteht. Aufgrund der Echtzeitdaten und dem geschlossenen Regelkreis zwischen Planung und Ausführung können u.a. Stillstandszeiten und Ausschuss schnell erkannt und nachhaltig reduziert werden. Einhergehend erhöhen sich Durchsatz und Produktivität. Diese Lösung setzen heute bereits die ersten Kunden des Unternehmens erfolgreich ein, denn in einem Markt, in dem neben dem Preis vor allem die Lieferfähigkeit zählt, sind dies entscheidende Wettbewerbsvorteile.“

Welche Erfahrung haben Sie bei dem Projekt gemacht?

„Es zeigt sich hierbei, dass Industrie 4.0 ein längerfristiger gemeinsamer Weg aus Soft- und Hardwareentwicklung ist, den man mit konsequenter Entwicklungsarbeit konzipieren, beschreiten und leben muss. Für den Steuerungsentwickler einer Werkzeugmaschine ist das jedoch ein Paradigmenwechsel, wenn man eine Werkzeugmaschine quasi mit einem Smartphone gleichsetzt.“

Wie hoch war der Entwicklungsaufwand und muss bei der Umsetzung von Industrie 4.0 gleich „alles auf einmal“ umgestellt werden?

„Interessant ist hierbei, dass der technische Entwicklungsaufwand, um z.B. Daten über TCP/IP mit einem REST-Webservice unseres dienst-basierten MES-Systems in Echtzeit austauschen zu können, auf beiden Seiten sehr gering ist. Wenn man diesen ersten Schritt mal gegangen ist, kann die lokale Intelligenz in einem Unternehmen sukzessive von der Maschine in die IT-Umwelt übertragen werden. Somit können auch für komplett neuartige Anforderungen und Problemstellungen gemeinsam sehr schnell, aufwandsarm und innovativ entsprechende Lösungen realisiert werden.“

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